CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Nevado Chopicalqui (6354m)
Galerie  (18.04.2008, 19.04.2008, 20.04.2008, 21.04.2008)

* 18.04.2008

Aufstiegsroute: Quebrada Llanganuco (4200m), 'Moränencamp' Lager 1 (4900m), Südwestgrat Lager 2 (5500m), Nevado Chopicalqui (bis 6185m)

Abstieg: wie Aufstieg

Nach einem nochmal chilligen Frühstück auf der Sonnenterasse unseres "Hotels" Olaza'S sind wir in voller Montur und dicken Rucksäcken (>25kg) zu Fuß Richtung Innenstadt aufgebrochen, um das nächstbeste Taxi zu nehmen. Den ersten Taxifahrer der uns über den weg fuhr haben wir dann nach etwas überzogenen Preisvorstellungen (anfangs wusste er gar nicht, wo wir überhaupt hin wollten) erstmal weiterfahren lassen. Aber schon während des Gesprächs kam schon der nächste Taxi-Dealer vorbei und bot uns mit großzügiger Gestik eine Fahrt Richtung Llanganuco-Tal bzw. für uns viel wichtiger - zu einer besonderen Straßenkurve, die oberhalb der Lagunen liegt (welche das normale Touristenziel dort oben sind), und uns direkt ins Basislager des Chopicalqui bringen würde. Der Preis stimmte zunächst und so fuhren wir dann erst mal in einem kleinen Bus quer durch die Stadt, stiegen auf der Hauptstraße wieder aus und sollten auf den Anschlussbus warten. Alles recht dubios, zumal wir dann doch nochmal in zwei kleinen Pkws mit einigen anderen peruanischen Männern wieder genau zur selben Stelle zurückfuhren, wo wir anfangs eingestiegen waren. Wir malten uns schon aus wie hinter der nächsten Hauswand die Männer ihre Macheten zücken würden und uns um unser ganzes Gepäck erleichtern würden.. .

Der Bus kam dann aber endlich und los gings in einem nicht ganz typisch peruanischen Transportmittel, sondern in einem, was sich als echte Touristenfahrt herausstellte. Während eines kurzen Stopps (zum "Batterien kaufen" - wir hatten ja die Zeit) kam dann auch heraus das der Bus zwar zu den Lagunen hoch oben im Tal fahren würde, aber längst nicht da hin, wo wir hin wollten (entgegen dem Taxifahrer, dem wir das vorher klar gemacht hatten). Es entbrannte dann eine hitzige Diskussion mit dem "Reiseleiter" des Unternehmens, dass wir den Preis eigentlich für eine ganz andere Leistung ausgemacht hatten (wir wollten schließlich nur eine Fahrt ins Hochtal). Nach einigem Rumtelefonieren und Feilschen einigten wir uns darauf, dass wir einen Teil unseres Geldes zurück bekommen würden und sie uns im letzten Ort im Tal (Yungay) absetzen würden, von wo wir uns dann ein Taxi nehmen würden.

In Yungay ging dann das Gefeilsche mit den Taxifahrern weiter. Irgendwann waren wir schließlich so weit ihre überzogenen Preise zu bezahlen, zumal wir keine weitere Zeit verschwenden wollten und wir uns mit dem ganzen Gepäck und den Ski unter den Armen bei 25°C und einer brütenden Sonne über unseren Köpfen langsam etwas fehl am Platze fühlten.
Die Fahrt hinauf gestaltete sich bei schwierigen Straßenverhältnissen (der komplette Pass zwischen Yungay auf 2500m und der Passhöhe auf 4700m besteht nur aus einer Schotterpiste) und einer Beinahe-Kollision mit einem wuchtigen Geldtransporter recht spektakulär und wir waren am Ziel der Fahrt froh, endlich unsere Rucksäcke aufladen zu können und Richtung Wildnis zu starten.

Das Wetter hielt leider nicht ganz und so kamen wir in einem Mix aus Regen und Sonne endlich unserem Berg näher. Wir wollten gleich das Basislager überspringen und bis ins Lager 1 (Moränencamp) aufsteigen, was ungefähr 4-5 Stunden von der Straße entfernt war. Da wir schon ziemlich spät dran waren kamen wir erst knapp mit einbrechender Dunkelheit im Lager kurz unterhalb des Gletschers auf 4900m an. Zum Trost klarte es etwas auf und wir konnten noch herrliche Blicke auf die beeindruckende vergletscherte Westwand des Chopicalqui sowie den auf der anderen Seite gelegenen Gipfeln des Huascarans werfen. Das Highlight war an dem Abend aber eher aus kulinarischer Sicht: Wir hatten uns nach den wiederholt bitteren Erfahrungen mit den Tütengerichten diesmal ein paar Brote, Suppe, Käse und Thunfisch aus der Dose mitgebracht. Das ging sehr gut durch und war eine willkommene Abwechslung. Glücklich darüber an diesem Tag überhaupt noch angekommen zu sein, schlummerten wir dann recht schnell in unseren Schlafsäcken ein.














* 19.04.2008

Am nächsten Tag ließen wir uns am Morgen erst mal Zeit, bis die Sonne über den Chopicalqui gekrochen ist und in unserem Zelt für angenehme Temperaturen sorgte. Wir mussten uns dann allerdings beeilen, dass die Sonne uns nicht zu sehr einheizte und uns unter der vergletscherten Westwand wie einem Ofen braten würde (und nebenbei auch noch für butterweichen Schnee sorgen würde). Leider gelang uns das nicht ganz und so stiegen wir in schon weichem Schnee verschwitzt die steilen Gletscherhänge hinauf. Die Tagesetappe war zwar nur recht kurz bis ins Hochlager, aber nicht ganz unspektakulär: Riesige Gletscherspalten sind typisch für diesen Teil des Berges und irgendwie waren wir froh mit Ski unterwegs zu sein, was den Aufstieg auch zwischen den ganzen Eisabbrüchen einigermaßen sicher gestaltete.

Wir suchten uns schließlich ein exklusives Plätzchen, welches von allen Seiten von großen Spalten eingerahmt wurde. Aus 5500m Höhe in Lager 2 hatten wir mittags bei ganz guten Wetterverhältnissen einen gigantischen Blick auf einen Großteil der Cordillera Blanca und zahlreiche 5- und 6000er - und das unmittelbar neben dem höchsten Berg Perus (der Huascaran mit 6800m)! Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten blieben wir auch noch so lang vor dem Zelt sitzen und genossen dieses fantastische Panorama, bis die Sonne hinter den Gipfeln verschwand und augenblicklich für frostige Temperaturen sorgte. Leider gab es dann wieder Abstriche bei unserer Nahrungsversorgung: Unsere Kombination aus Suppe und echten (!) Nudeln hatte einfach zu viel Ähnlichkeit mit den vorangegangenen Tütengerichten, so dass ein Großteil davon nicht in unseren Mägen sondern in der nächsten Gletscherspalte verschwand. Keine guten Voraussetzungen für harte Arbeit am Berg.











* 20.04.2008

Die Nacht vor dem Gipfel lief dann leider auch wenig optimal, da mitten in der Nacht ordentlich Wind einsetzte und man teilweise das Gefühl hatte, dass gleich das Zelt mit uns abheben würde. Das Weckerklingeln um 4 Uhr hatte demnach etwas von Erlösung. Kurz anziehen, ein Schokoriegel als Frühstück und wir starteten in die Dunkelheit bei angenehm milden -10°C von Lager 2 aus Richtung Gipfel. Wir gingen erst mal mit Steigeisen los, da die Verhältnisse noch recht vereist waren und wir aufgrund der Steilheit auch nicht durchweg die Ski hätten benutzen können. Leider galt dies aber nur für die ersten 200 Höhenmeter, denn ab etwa 5700m mussten wir uns durch teilweise hüfthohen pulvrigen Schnee wühlen. "Angenehmer Weise" mussten wir auf der Westseite des Berges dann im recht starken Wind auch noch ewig lang auf die Sonne warten, so dass wir ständig damit beschäftigt waren die Füße und Hände zu bewegen, damit sie einem vor Kälte nicht einschliefen.

Bis Mittags lief es trotz der unglaublichen Anstrengung zu Spuren ganz gut: Bei traumhaften Wetter kamen wir langsam aber stetig dem Gipfel näher. Doch kam dieses Mal das schlechte Wetter schneller als erwartet (jeden Nachmittag gibt es eigentlich Regen bzw. Schnee) und so standen wir recht bald im völligen White-Out in steilen flanken mit Sichtweiten um die 10 Meter. Ungefähr 150 Meter unter dem Gipfel auf knapp 6200m Höhe steckten wir dann wieder im total lockeren hüfthohen pulvrigen Schnee und wir kamen nach kurzer Beratung und dem Bewusstwerden unserer exponierten Lage zu der Erkenntnis, dass das Risiko weiter zu gehen einfach zu groß sei.
Es war dann ein Moment bei dem alle Anspannung verloren ging und man plötzlich merkte, wie müde man eigentlich war. Enttäuscht, aber doch im Bewusstsein die richtige Entscheidung getroffen zu haben, machten wir uns dann an den mühsamen Weg zurück ins Hochlager. Bei null Sicht sind wir aber noch einmal von der Spur abgekommen und haben mit Glück den Weg zu unserem angelegten Skidepot wiedergefunden, bis wir schließlich am frühen Nachmittag wieder am Zelt waren.













* 21.04.2008

Körperlich völlig fertig lagen wir bis zum nächsten Morgen (auf das "Abendmahl" gehe ich mal nicht näher ein) wieder bis zum Sonnenaufgang im Zelt bis wir beide auf den harten Isomatten nicht mehr liegen konnten und bauten im strahlenden Sonnenschein das Lager ab. Den unteren Teil des Gletschers konnten wir noch mit Ski abfahren (gesichert am Seil) und konnten doch einige Höhenmeter mit den schweren Rucksäcken sparen. Der Fußweg zur Straße war dann allerdings noch ein mühsamer und weiter - überall die riesigen Geröll- und Moränenfelder, wo wir mit den Schalenschuhen über gewaltige Gesteinsbrocken balancieren mussten.

Viel Glück hatten wir an der Passstraße, die uns wieder ins Tal bringen sollte: Nach nur 10 Minuten warten war gleich der erste Lkw mit zwei Peruanern bereit uns wieder mit nach unten zu nehmen. Denn regulär fuhr über den Pass nur ein Collectivo am Tag, worauf wir allerdings noch 4 Stunden hätten warten müssen. Zu viert saßen wir schließlich vorne in der Kabine und brauchten dann noch 1 1/2 Stunden für die 35km bis ins Tal. Der Beifahrer erklärte uns nebenbei, dass sie für eine komplette Passüberfahrt sogar ganze 8 Stunden brauchen würden..!
Zurück in Yungay bekamen wir fast nahtlos ein Collectivo und fuhren dann teilweise zu 18. in einem kleinen umgebauten Toyota-Bus (ähnlich dem VW-Bus bei uns) Richtung Huaraz, mit unserem Gepäck auf dem Dach verstaut. Der Kreis hatte sich wieder geschlossen.














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