CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Glungezer (2677m)
Galerie  (11.02.2007)

* 11.02.2007

Skitour

Aufstiegsroute: Tulfes (950 m) – Tulfer Hütte (1337 m) – Tulfeinalm (2035 m) – Tulfeinjöchl (2278 m) – Glungezer (2677 m)

Abstiegsroute: wie Aufstieg


Ein längerer Samstagabend mit lustigen Leuten verbracht, trotz einer ziemlich frühen Tour am selbigen Tag und dann doch am Sonntagmorgen das Gefühl, sich noch mal aufraffen zu müssen. Grundsätzliche Kriterien dafür: nicht zu früh starten zu müssen, alleine unterwegs zu sein und natürlich die aktuellen Schneeverhältnisse zu beachten, sofern man da noch was beachten kann.
Die Wahl fällt also auf den Glungezer, am südlichen Rand des Inntals etwa auf Höhe Halls gelegen. Ein Berg, den man zum größten Teil über die Skipiste erreicht, wenn man aus Tulfes startet. Direkt an der Liftstation des doch recht mittelalterlich wirkenden Sessellifts kann man gut Parken und ab hier beginnt eigentlich die Skipiste…, eigentlich! Nach ein paar Minuten Suche muss ich feststellen, dass hier keine Piste künstlich beschneit wird und so lebte die Talabfahrt nur auf der großen Schautafel am Parkplatz. Normalerweise verläuft die Piste in einem weiten Bogen über die Wiesen oberhalb von Tulfes, direkt durch unzählige Almen. Für mich sah dann also die Alternative so aus, dass ich zuerst einmal meine Skier rund 300 m die Straße hinauf getragen habe, immer in der Hoffnung bald auf Schneereste zu treffen. Kurz unterhalb des kleinen Schlepplifts, der ab 1300 m beginnt, hab ich es dann gewagt und bin über Schneeflecken gestakst, aber kein großes Problem, denn rund um herum war butterweiche Wiese. Es gibt aber, vielleicht an dieser Stelle zur Info, am Schlepplift auch noch einen Parkplatz, auch wenn da ein dickes Anrainerschild steht, sollte das wahrscheinlich auch so gehen. Aber ein echtes Projekt ist halt ein echtes Projekt! ;-)

Auf der Skipiste geht es gewohnt schneller voran und man sieht schon bald die Mittelstation auf 1550 m. An diesem Sonntag ist erstaunlich wenig Verkehr auf der Piste, so dass das seitliche Aufsteigen recht angenehm ist. Liegt aber bestimmt zu 90% an der akuten Schneearmut. Während am Morgen, so gegen 11 Uhr, man fast noch das Gefühl hatte, dass das Wetter eigentlich ganz gut werden könnte, zieht es jetzt immer mehr zu und über dem gesamten Inntal hängen dicke Wolken. Kurze Zeit später setzt sogar ein bisschen Schneefall ein und es stürmt extrem unregelmäßig. Trotzdem ist es natürlich für diese Jahreszeit viel zu warm und so läuft der Schweiß beim Aufstieg nur so das Gesicht herunter. Nachdem der endlos wirkende Schlepplift, der von der Mittelstation startet, geendet hat, macht der Ziehweg einen Bogen nach rechts und man sieht zum ersten Mal das obere Skigebiet und natürlich den Gipfel. Von hier an ist es das Beste, wenn man sich nicht der Bergstation des Sessellifts richtet, sondern eher direkt versucht das Jöchl anzusteuern, da man sich ein paar Höhenmeter spart.
Vom Tulfeinjöchl gibt es offiziell zwei verschiedene Wege auf den Glungezer. Der Einfachere zieht direkt unter der Versorgungsbahn der Glungezerhütte entlang, der laut Tourenguide schönere folgt dem südwestlichen Rücken direkt auf den Gipfel. Ich versuche also Variante B und bereue es ein wenig, als ich auf der Abfahrt über den „Normalweg“ zum Joch zurückkehre. Sicherlich sind die Bedingungen auch nicht optimal, denn da keine Spur zu finden ist und der leichte Neuschnee auf ganz unterschiedlichen, darunter liegenden Schneeoberflächen nicht wirklich geheuer wirkt, wäre der Aufstieg über die nördlichere Variante deutlich einfacher, weniger steil und damit weniger nervenaufreibend gewesen. Zum Schluss spure ich durch die verbreitet herausschauenden Felsen und Steine, da sich mein Weg ziemlich weit in die sehr steile Ostflanke hinauslehnt. Auf den letzten zehrenden Höhenmetern schneit es kräftig und es weht ein, für diesen sehr exponiert stehenden Berg, kräftiger Wind, manchmal auch Sturm.
Ich erreiche den Gipfel nach 1760 Hm in 4 Stunden und bin erst einmal froh hier zu sein und mal wieder einen Gipfel erreicht zu haben. Beim Versuch ein paar Fotos aus der vorbei fliegenden Wolkensuppe zu schießen, werden meine Finger so kalt wie ich es noch nie erlebt habe. Dadurch, dass der Wind den Neuschnee wild durch die Luft verfrachtet, hat man innerhalb von Sekunden feine Kristalle in allen endlichen Ritzen und Nähten. Ein wirklich ungemütliches Inferno in diesem Moment. Ich verkrieche mich also erst einmal hinter einem Betonblock und versuche meine Finger wieder zu beleben. Zum Glück kommt dann wenig später zur großen Überraschung die Sonne raus und so wird’s noch richtig toll. Anhand der Spuren hab ich das Gefühl, dass alle an diesem Tag den direkten Nachbarn, die Sonnenspitze, bestiegen haben, weil auf dem Glungezer keinerlei Spuren zu finden sind.

Nach einer kurzen Zeit des Innehaltens, mach ich mich, wie gesagt, über die eigentliche Route wieder auf in Richtung Tal. Die Abfahrt geht erstaunlich gut, auch wenn man höllisch auf die Steine, die überall herausschauen, achten muss. Nach wenigen Minuten ist man wieder auf der Skipiste und kann das Gehirn ausschalten. Wenn Schnee bis ins tiefere Lagen fällt, ist die Talabfahrt eine feine Sache. Wie gesagt, wenn Schnee liegt. Ich hab also wieder meine Skier geschultert und war knapp 5,5 Stunden nach meinem Start und 3400 Hm später wieder am Auto.

















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