CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Nadelhorn (4327m)
Galerie  (28.07.2006, 29.07.2006)

* 28.07.2006

Saas-Fee (1800m) - Mischabelhütte (3335m)

Als eines der herausragenden Gipfel der Mischabelgruppe zählt sicherlich das Nadelhorn. Wenn auch nachbarschaftlich in der Gruppe des alles überstrahlenden Doms eingegliedert, zeigt sich das Nadelhorn als formschöner Gipfel und ambitioniertes Ziel aus dem Saastal heraus. Genauer gesagt, macht die steile Ostwand dieses Berges von den Einkaufspassagen Saas-Fees betrachtet einen recht gewaltigen Eindruck. Und wenn man schließlich den Blick in die Karte wagt, stellt man mit Erstauen fest, dass der Zustieg auch noch ohne große Umwege der direkten Linie vom Tal zur Hütte folgt. Eine kilometermäßig kurze, aber dafür recht knackige Tour.

Verlässt man also das quirlige Städtchen Saas-Fee, dass auch im Sommer recht belebt ist, über die Straße, die noch zunächst an alten historischen Viehställen vorbeiführt, später über eine kleine Skipiste, gelangt man schnell an den wahren Fuß der Wand, die sich knapp hinter dem neuen Bachbett emporhebt. Ab hier sollte dann der eigentliche Rhythmus gefunden sein, denn ab hier geht’s stets steil über unzählige Kehren die Wiese hinauf. Je nach Blickrichtung haben wir so genug Zeit, uns dem Gletscherskigebiet zu widmen bzw. dem Saastal nach Norden zu folgen. Nach einigen hundert Höhenmetern gibt es noch die Chance `schonend` das Projekt aufzugeben und per Lift über die Station Hannig ins Tal zurückzukehren, denn hier treffen sich die beiden Wege. Meist ist dies jedoch eher als Aufstiegshilfe dienlich. Schnell verlieren sich die Details im Tal tief unter einem, dafür ist der erste kräftigere Wind hier zu vernehmen. Der eigentliche Gipfel ist hier schon an diesem Tag verborgen, da allmählich Wolken auf beiden Seiten des Tals heraufziehen und für frischfeuchte Luft sorgen. Die Orientierung ist aber auf dem gesamten Zustieg kein Problem, mit ein bisschen Vorkenntnis und den guten Wegmarkierungen kommt man gut voran.

Spannender wird dann der Abschnitt, der nicht mehr unzähligen Serpentinen folgt, sondern in das Gratstück übergeht, das direkt zur Mischabelhütte führt. Ab knapp 2600m ähnelt der Zustieg eher einem Klettersteig, nichts dramatisches, aber dafür sehr exponiert. Teilweise sind senkrechte Leitern montiert, die den Weg einfacher gestalten. Nichtsdestotrotz zieht sich diese Kletterpassage in die Länge und ist damit bei schlechteren Bedingungen nicht zu unterschätzen. Schließlich erreichen wir aber in sehr guten 4 Stunden und rund 1550Hm die Hütte am frühen Abend. Wir beziehen ein Lager in einem eigenen Zimmer - welch Luxus – und verbringen noch einen recht kurzen Abend im Speiseraum der Hütte, die mit vielen Italienern belegt ist.



* 29.07.2006

Gipfelroute: Mischabelhütte (3335m) - Windjoch (3850m) - über Nordost-Grat - Nadelhorn (4327m) - Mischabelhütte (3335m) - Saas Fee (1800m)

Glücklicherweise starten am nächsten Morgen aber nur sehr wenige zum Gipfel, viele waren am Tag davor bereits oben und machen heute nur noch den Abstieg. Dennoch ist es auf den ersten Metern im Dunkeln auf dem schmalen Weg des Grates recht voll und relativ mühsam, schnell voranzukommen. Wir, noch etwas träge und müde, steigen dann auch fast schon zu hoch, nur das ferne Leuchten von Stirnlampen bringt uns wieder auf den richtigen Weg, der bei rund 3600m den Untergrund wechselt. Schon auf den ersten Metern des kleinen Hohbalmgletschers entschließen wir uns ein bisschen Gas zu geben, um dem Tempo langsamerer Seilschaften zu entgehen. Die Spur führt zur gegenüberliegenden Seite, wo es dann auf den letzten Meter steil auf das kleine Windjoch hinauf geht. Immerhin schon 3850m hoch.

An diesem Morgen liegen noch dicke Wolken in den Tälern des Wallis und als die Sonne aufgeht, macht sich bereits große Vorfreude auf den Rest des Weges breit. Vom Joch her kommend steigen wir nun teils über den schmalen, aber schönen Firngrat, teils über kurze Passagen im Fels weiter noch oben. An der einen oder anderen Stelle müssen wir mit größter Vorsicht einen Fuß vor den anderen setzen, da der über Nacht gefrorene Schnee recht brüchig ist. Nach wenigen Abschnitten, die wir sichern, weniger aus wirklicher Notwendigkeit, mehr aus `ner Menge Zeit, die wir noch haben, kommen wir glücklich am zum Glück noch leeren Gipfel an und haben zum ersten Mal den grandiosen Blick auf die gesamte Domnordwand, die wir wenige Tage zuvor hinaufgestapft sind. Es ist nahezu Windstill für diese Höhe und wir genießen ein weiteres Mal die Einzigartigkeit dieser Landschaft. Fast zum Greifen nahe ist die Monte Rosa und Täschhorn, Dom und Lenzspitze liegen direkt davor. Und natürlich wie schon aus Saas-Fee gesehen, hat man einen einzigartigen Blick 2500m fast senkrecht hinunter.

Genauso schnell wie hinauf ist dann auch der Abstieg erzählt, da ja schließlich nun alles viel lockerer und bekannt vorkommt. Nach knapp 1,5 Stunden erreichen wir die Hütte, nehmen unsere dort deponierten Sachen mit und stürzen uns hinunter, damit wir noch am Abend im Rhonetal den Grill wieder anschmeißen können. Nach insgesamt runden 3500Hm an diesem Tag und kaum noch Knorpel zwischen Ober- und Unterschenkel beenden wir diese außergewöhnlich schöne Tour mit dem gewissen Lächeln zunächst am Auto im Parkhaus und wenig später vor dem Grill mit einem Bier in der Hand.


























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