CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Hintere Hintereis Spitze (3486m) und Mittlere Hintereis Spitze (3451m)
Galerie  (30.08.2002)

* 30.08.2002

Brandenburger Haus - Mittlere + Hintere Hintereis Spitze - Brandenburger Haus

Am Vorabend des letzten Tages stehen wir gemeinsam mit den Ausbildern auf der Terrasse des Brandenburger Hauses und reden über den folgenden Tag, der mit einer schönen Abschlusstour den sechstätigen Aufenthalt abrunden soll. Da vom schwarzen Himmel unglaublich viele Sternen leuchten, ist die Vorfreude entsprechend groß. Während der allmorgendlichen Prozedur des Aufstehens wird dann schnell für alle klar, dass der Tag bombastisch werden wird. Erst jetzt lassen sich die Klaus und Co. aus der Reserve locken und geben die heutige Tour bekannt. Gut `ne große Überraschung ist es dann letztendlich nicht, denn unsere Vermutung ging schon in die gleiche Richtung. Nach der Überschreitung der Mittleren Hintereis Spitze (3451 m) soll`s über die Hintere Hintereis Spitze (3486 m) gehen und dann über den Gepatschferner zurück zur Hütte.

Morgens 9:00 Uhr, der Himmel ist schon tiefblau, seilen wir uns an um über den an der Oberfläche gefrorenen Gepatschferner Richtung Süden zu starten. Da die Nacht wolkenfrei und damit kalt war, ist das Laufen auf dem Schnee ein wahrer Genuss und da auch die Stimmung bei den anderen übermäßig gut ist, kommen wir schon nach einer ¾ Stunde am Fuße der Mittleren Hintereis Spitze an. An einer Art Joch direkt oberhalb der Hintereiswände machen wir halt, seilen uns ab und legen die Steigeisen an. Mit Blick nach Südosten in Richtung Sennkogel, Fineil Spitze und Schwarze Wand steigen wir hinauf zum Firnvorgipfel, ein formschöner, überwechteter, haizacken-ähnlicher Gipfel. Diese Passage meistern wir seilfrei, da die Steilheit des Geländes (so um 30°) nichts anderes zulässt. Der Kontrast zwischen der weißen Schneefläche, der bunten Kleidung und dem blauen Himmel sind das, was das Bergsteigen zu einem großen Teil so einmalig machen.
Kurz unter dem Hauptgipfel wechselt das Gelände dann in felsige Abschnitte. Der höchste Punkt ist von hier nicht mehr weit und eigentlich unschwierig zu erreichen. Oben haben fleißige Hände einen riesigen Steinmann errichtet, der ein Gipfelkreuz mehr als ersetzt. Bei immer noch hervorragendem Wetter genießen wir das Erlebnis und lassen unseren Blick wehmütig in die nähere Umgebung und die unzähligen, fantastischen Gipfel schweifen.

Denn von hier aus hat man bei guter Sicht einen Logenplatz um auf die Ostwand der Weißkugel (3739 m), den alles überragenden Berg dieses Gletschergebiets zu blicken. Dieser Berg sollte an späterer Stelle noch genauer erwähnt werden, da er auf unserem Tourplan liegt. Weiter nördlich liegt das riesige, aber dafür kuppigflache Massiv der Weißsee Spitze (3526 m) und rechts hinter der Dahmann Spitze (3401 m) mit dem Brandenburger Haus liegt die breite Südflanke des Fluchtkogels (3500 m). Natürlich ist der Rundumblick über das grenzenlos erscheinende Gletscherplateau allein schon ein Eindruck ganz besonderer Art.

Nach einer nicht allzu langen Pause steigen wir den Südwest-Grat wieder ein Stück ab um unser nächstes Tagesziel in Angriff zu nehmen. Die Rückseite des Gipfels ist etwas steiler und kniffliger zu bewältigen, das letzte Stück auf den Gletscher müssen wir uns über eine vielleicht 30° bis 35° steile Rinne abseilen. Außerdem wartet am unteren Ende ein gefährlicher Bergschrund, der zwar bedeckt ist, aber nicht besonders vertrauenserweckend wirkt. Welch Glück, kann man da nur sagen, dass das Wetter um diese Zeit noch schön und warm ist, weil bis über 20 Leute an einem Seil einen Steilhang hinabgestiegen sind, vergeht schon mal eine ganze Zeit. :-> Die Hintere Hintereis Spitze liegt nun schon zum Greifen nahe, allerdings täuscht die glatte, weiße Schneeoberfläche gewaltig und erst beim Näherkommen, baut sich vor uns der doch immer mächtiger werdende Schneehang auf. Da wir den gleichen Weg auch wieder zurück nehmen wollen, lassen wir die Seile am Fuß der Nordost-Flanke zurück und steigen steil hinauf. (Ich weiß nicht, was an dieser Stelle viele unserer Kursteilnehmer trieb, aber auf einmal entwickelte sich eine Art Wettrennen den Hang hinauf, der nicht nur niveaulos und unverantwortlich, sondern auch das Gelernte dieser Woche in weite Ferne zu rücken schien.)
Am oberen Teil flacht der Hang dann ab und führt entlang einer großen Gipfelwechte hin zu zwei kurzen, aber knackigen Felsriegeln, die luftig nach rechts und links steil abfallen. Geteilt in zwei winzig, kleine Gipfelplateaus erreichen wir am frühen Nachmittag den Gipfel der Hinteren Hintereis Spitze. Eine ausgiebige Pause mit Schnaps und Schokolade rundet dann diesen schönen Gipfel, unser Tagesziel, ab. Immer noch strahlt die Sonne vom Himmel, doch häufiger wird sie jetzt von sich bildenden Wolken verdeckt.

Nach ein paar Gipfelbildern vor dem Hintergrund der Weißkugel drehen wir um und folgen unseren Aufstiegsspuren in Richtung Seildepot. Auf dem letzten steilen Abschnitt testen wir zum Abschluss unsere Koordination und unseren Gleichgewichtssinn, ein in den Bergen oft vernachlässigtes Thema :->, indem wir möglichst spektakulär auf den Füßen, dem Hintern oder anderen Körperteilen die Flanke hinunterrutschen. Ein Riesen-Gaudi für alle! Der Weg zurück ist dann nur noch Schneetreterei in ausgelassener Stimmung. Der Schnee ist jetzt leider schon durch die intensiven Sonnenstrahlen aufgeweicht, dadurch wird das Ganze noch einmal anstrengender. Ohne größere Verluste erreichen wir knapp 1 ½ Stunden später unseren Ausgangspunkt, unsere homebase. Da das Wetter an diesem Tag einfach nicht schlechter werden will, gönnen wir uns noch die herrlichen Abendsonnenstrahlen auf der Terrasse bei Bier und Kaiserschmarrn. Sogar die allerletzte Theorieeinheit der Kurswoche können wir an diesem Tag oberhalb des Gepatschferners mit Blick auf die Hintereis Spitzen auf den Felsen direkt vor der Hütte abhalten. Ein ganz besonderes Erlebnis!

Dieser Tag, verbunden mit der Tour, stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten und ist von Anfang bis Ende nahezu perfekt gewesen. Auch alle anderen bestätigten dieses Gefühl und so fällt der Abschied vom Brandenburger Haus, der uns am nächsten Morgen erwarten sollte, schon schwer. Für uns beide ist es aber auch ein Gefühl, das uns sagt, dass jetzt endlich unsere eigene Tour beginnen kann und dass die eigentlich Herausforderung erst noch bevorsteht.























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