CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Similaun (3606m)
Galerie  (01.09.2002)

* 01.09.2002

Vent - Martin Busch Hütte - Similaun - Similaun Hütte

Sonntag, der Beginn unserer Tourwoche durch die Ötztaler Alpen.
Nach einer kurzen Nacht auf dem Campingplatz in Sölden, starten wir durchaus unglücklich in den Tag. Viel zu früh weckt uns das abscheuliche Piepen des Weckers. Wir beeilen uns, so schwer es auch ist nach dem harten Abstieg des Vortags, gönnen uns noch mal den Luxus einer Dusche, frühstücken spärlich und packen alles hektisch zusammen, samt Zelt.

Der Plan ist es, das Auto in Sölden zu lassen um mit dem Bus nach Vent (1890 m) zu fahren und dann von dort unsere erste Etappe der Tour über die Martin-Busch-Hütte zur Similaun-Hütte auf 3019 m zu beginnen. Dass wir als moderne Großstädter die Möglichkeit genutzt haben den Busfahrplan aus dem Internet auszudrucken, erweist sich an diesem Morgen als Nachteil. Denn als wir an die Hauptstraße kommen, fährt der Bus direkt an uns vorbei, da die Abfahrzeiten in unserem Plan nicht mehr die aktuellsten sind. Ein leichter Ausbruch der Verärgerung überkommt uns... :-> Um nicht zuviel Zeit zu verlieren, entschließen wir uns, das Auto in Vent abzustellen, weil der nächste Bus an diesem Sonntag in einer Stunde fahren würde.
Um 9:00 Uhr also schultern wir in Vent unsere Ausrüstung und wenig später verlassen wir das kleine Bergdorf am Fuße der Wildspitze in Richtung Süden. Das erste, dass einem sofort auffällt, ist obligatorisch der zu schwere Rucksack und die Gedanken kreisen bei den ersten Steigungen dieses Tages wie es uns wohl ergehen wird in der kommenden Woche...

Der Weg hinauf zur Martin-Busch-Hütte (2501 m) ist zunächst ein breiter Forstfahrweg, anfangs steiler, dann immer wieder wechselnd, aber immer oberhalb eines kleinen Baches, der in der Tiefe des engen Tals dahinrauscht. An diesem sehr bedeckten, nebeligen Tag sind unheimlich viele Wanderer, Mountainbiker und Spaziergänger unterwegs, von denen die meisten sich die Martin-Busch-Hütte als Tagesziel gesetzt haben. Die knapp 600 Höhenmeter bewältig man bis zur Hütte auf dieser endlos wirkenden Fahrstraße, immer leicht bergauf. Für uns heisst das in erster Linie wach werden, den Aufstiegsrythmus finden und sich auf die Einsamkeit der nächsten Tage freuen. Ehrlich gesagt, viel geredet haben wir am diesem Morgen auch nicht..., es war einfach zu trist!
Unsere erste Pause machen wir nach ungefähr zweieinhalb Stunden auf der Hütte, die plötzlich aus dem Nebel vor uns aufgetaucht ist. Wir vergewissern uns kurz, wo der weitere Aufstieg entlang führt und machen uns dann bald auf, mit der unbändigen Energie eines 25g-Cornies. :-> So langsam lassen wir den Nebel hinter uns, die Sicht wird kurzzeitig besser, allerdings fängt es bald an zu regnen. Der Weg führt nun über ein ausgedehntes Geröllfeld, immer in Richtung italienische Grenze. Bei rund 2800 m ist dann auch die Zahl der anderen Bergsportler schon viel geringer, nur dass wir hier oben Mountainbiker treffen, die ihr Fahrrad geschultert mit ihren Click-Schuhen und Radlerhose von Fels zu Fels springen, hätte ich auch nicht erwartet.
Das ungemütliche Wetter, die schweren Rucksäcke und die zurückgelegten Höhenmeter des Tages schlauchen enorm, so dass wir müde, aber glücklich nach einer ganz kurzen Querung des vereisten Niederjochferners gegen 14:00 Uhr auf der Similaun-Hütte auf über 3000 m ankommen.

Hier beziehen wir dann erstmal unsere Schlafplätze für diese Nacht, auf einer Hütte, die uns eher den Eindruck eines Hotels vermittelt (warmes Wasser, Duschen, Frühstücksbuffet!), was sich dann natürlich auch unweigerlich in den Preisen widerspiegelt. *würg* Wobei wir als arme Studenten gerne auf den Luxus in 3000 m Höhe verzichtet hätten um nicht 30 € pro Person pro Nacht bezahlen zu müssen. :-(
Nach kurzer Beratschlagung entscheiden wir uns dann doch noch an diesem Tag den Similaun zu versuchen um "hintenraus" die Tour flexibler gestalten zu können. Wir nehmen also nur das Nötigste mit und machen uns dann auf hinaus in den dichten Nebel. Der Weg, der nach wenigen hundert Metern in eine Aufstiegsspur über den Niederjochferner mündet, führt relativ gleichmäßig ansteigend auf der südlichen Seite des Gletschers entlang. Je höher wir kommen, desto schlechter wird jedoch die Sicht, bis sie auf nicht viel mehr als eine halbe Seillänge zusammenschrumpft. Durch die auftretenden Orientierungsschwierigkeiten, den nassen, schweren Schnee, den auffrischenden Wind und die Erschöpfung durch die Höhe entwickelt sich der Aufstieg zum 3606 m hohen Gipfel zum äußerst anstrengenden Geduldsspiel. Mühsames Stapfen, häufiges Ausrutschen und ständiges Stoppen um uns an schwachen Umrissen der Umgebung zu orientieren, was nahezu unmöglich ist in diesem "weißen Nichts", so "kriechen" wir dem Gipfelkreuz entgegen. Auf einmal schwenkt die Spur nach links ab und führt steiler werdend den Berg hinauf. Der Wind ist an dieser Stelle viel, viel stärker und wir entscheiden, dass Seil hier zurückzulassen, da wir glauben den Gipfelgrat erreicht zu haben. Wie sich nach einigen Metern herausstellt, sollten wir richtig liegen, denn nach einem kurzen Stück über einen herrlich, steilen Firngrat erreichen wir den felsigen Gipfel des Similaun auf 3606 m. Der erste Gedanke ist pure Freude nach rund 1700 m Aufstieg, allerdings bleibt der bittere Beigeschmack, dass uns ein grandioser Blick wie er eigentlich möglich wäre, verwehrt bleibt. Deshalb machen wir nur kurz ein paar Bilder, genießen einen kurzen Moment und machen uns dann auch schnell wieder auf den Rückweg, da es jetzt gegen 17:00 Uhr auch merklich kälter und ungemütlicher wird. Den Abstieg bringen wir, angetrieben von dem Gedanken an etwas zu essen und einem warmen Bett, schnell hinter uns, so dass wir schon nach knapp einer Stunde wilder Stolperei die Similaun-Hütte erreichen.


















Copyright 2017 © CAMP-BERLIN - Impressum