CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Fineil Spitze (3516m)
Galerie  (02.09.2002)

* 02.09.2002

Similaun Hütte - Fineil Spitze - Bella Vista

Am Vorabend, wir sind gerade dabei die nächsten Tagesetappe über die Fineil Spitze zur Bella-Vista gedanklich durchzugehen, gesellt sich ein vielleicht 35-jähriger Mann aus`m Schwabenländle zu uns um mit uns ein paar Worte zu wechseln. Gemeinsam mit Martin genießen wir die Vorzüge eines warmen Essens und plaudern ein bisschen, allerdings schon nach nicht allzu langer Zeit suchen wir, getrieben durch offensichtliche Indizien des Körpers, die waagerechte Position auf.

Der nächste Morgen erwartet uns mit wechselhaftem Wetter und recht viel Wind. In der Similaun-Hütte sind schon viele dabei ihre Sachen zusammenzupacken, es herrscht eine rege Betriebsamkeit. Wir verlassen die Hütte Richtung Nordwesten; direkt hinter dem Haus führt ein steiler Steig immer entlang des Grenzkamms zwischen Italien und Österreich. Kurze Zeit später muss wohl auch Martin gestartet sein, da er dicht hinter uns plötzlich im Fels auftaucht und so beschließen wir dann doch gemeinsam weiter zu steigen. Dass wir diese Entscheidung nicht schon am Vorabend treffen, lag daran, dass Martin weder über jegliche alpine Erfahrung noch über Gurte, Seil, Steigeisen oder Pickel verfügt und wir eigentlich kein Interesse darin sehen, gemeinsam mit ihm was zu machen. Aber da der erste Teil der Tour uns lediglich über felsiges Gelände führt, geben wir unser OK.
Immer wieder versinken wir in den Wolken, die über den Kamm aus südlicher Richtung getrieben werden. Auf der anderen Seite bietet sich auch ab und zu die Möglichkeit ein Blick hinunter ins Tal zu riskieren, wo rund tausend Meter tiefer das Schnalstal mit seinem blau schimmernden Stausee liegt. Vorbei am Tisenjoch, der Fundstelle des "Ötzi-Manns" gelangen wir an den Gipfelaufbau der Fineil Spitze (3516 m). Die Sicht wird immer schlechter als wir beginnen uns den Weg durch den Nordost-Grat zu suchen. Es ist früher Vormittag und wir befinden uns in der ersten echten Herausforderung des Tages. Denn die Fineil Spitze ist nicht nur von allen Seiten sehr steil, man kraxelt auch den kompletten oberen Bereich auf extrem losem Schiefergestein. Nicht gerade vorteilhaft sind dann auch die großen Rucksäcke und der mittlerweile auffrischende Sturm. Nach einer guten Stunde wilder Kletterei in diesem überdimensionalen Geröllhaufen und vielen riskanten Momenten später, erreichen wir dann unter großer Anstrengung das Gipfelkreuz. Wie nicht anders zu erwarten, erleben wir auch dieses Gipfelglück mitten in der "Suppe". Gemeinsam mit Martin freuen wir uns dennoch so weit gekommen zu sein, nehmen obligatorisch ein paar Cornies zu uns, schießen ein, zwei Fotos und suchen nach einem Loch in den Wolken. :-(
Was auffällt in diesem Moment ist die relativ große Anspannung, die man bei jedem von uns spüren kann, da sich jeder einzelne schon gedanklich mit dem Rückweg beschäftigt. Oben begegnet uns eine 7er-Seilschaft mit Bergführer als wir gerade dabei sind den ohnehin kleinen Gipfelbereich zu räumen. Den Weg hinunter empfindet man noch heikler, da die Blickrichtung immer die Felswand hinab gerichtet ist. Große Erleichterung überkommt uns mit Erreichen des Gletschers und hier trennen sich dann Martins und unsere Wege. Wir wollen weiter Richtung Westen über den Hochjochferner zur Bella-Vista gehen und Martin entscheidet sich Richtung Hochjoch-Hospiz abzusteigen.

So hart es uns vorkommt, aber wieder einmal stehen wir nach der Besteigung am Fuße eines Berges und auf dem Gipfel herrscht herrliches Wetter. *grummel* Aber davon lassen wir uns die Laune nicht vermiesen und folgen der Spur durch den Schnee. Die Route führt uns bevor wir auf den Hochjochferner absteigen über zwei, wie sich herausstellt, äußerst steile Felsriegel. Der erste ist noch relativ kurz, aber der zweite überwindet fast 250 Höhenmeter und fällt nahezu senkrecht ab. Wieder bewegen wir uns über lockeres Gestein, rutschen mehr den Hang hinab, was sich bei der Gesteinsunterlage nicht wirklich gut macht. Den Blick immer auf die riesige Gletscherfläche direkt unter einem gerichtet, versuchen wir verlässlichen Halt zu finden und uns zwischen den Steinen nach dem richtigen Weg zu orientieren. Häufig lockern sich kleinere Steine aus der Wand, die sofort unterhalb kleinere Gerölllawinen loslösen. Als sich endlich hartes Eis unter unseren Schuhen befindet, sind wir beide sowohl psychisch als auch physisch geschlaucht und sehnen uns nach einfacherem Gelände. Mit der Querung des großen Gletschers bewegen wir uns dann stupide stapfend in relaxterem Gelände und nach gut zwei weiteren Stunden erreichen wir die Bella-Vista (2842 m), unserem letzten Lager, bevor es dann am folgenden Tag auf die Weißkugel gehen soll.

Noch einmal geschockt von den Übernachtungspreise für ein 80 cm - Bett im Dachboden, essen wir uns satt und gehen schon ein bisschen deprimiert ins Bett, doch im Hinterkopf behaltend, dass morgen ein ganz großer Tag werden könnte, wenn alles passt...




















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