CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Vordere Hintereis Spitze (3437m)
Galerie  (04.09.2002)

* 04.09.2002

Brandenburger Haus - Vernagt Hütte - Breslauer Hütte

Die Nacht, in der wir jegliche Erholung nach dem gestrigen Tag verdient haben, gestaltet sich als deutlich unterkühlt. Zum ersten Mal übernachten wir nicht im beheizbaren Winterraum des Brandenburger Hauses, sondern haben ein Lager im zweiten Stock bezogen. Zu zweit allein im Zimmer, bei knackigen Nachttemperaturen und sturmähnlichen Verhältnissen draußen, bleibt unser Versuch den Raum mit Körperwärme auf annehmbare Temperaturen zu bringen vergeblich. Und da die Fenster der kalten Luft genügend große Ritzen bieten, ist auch das morgendliche Aufstehen ein Erlebnis der besonderen Art... :-)

Eisern und mit schon letharger Gewohnheit erledigen wir alle morgendlichen Herausforderungen des Tages, packen nur Wichtigstes ein und starten früh am Morgen zur Vorderen Hintereis Spitze (3437 m), die direkt südlich von der Hütte gelegen ist. Die Wolkenformationen fliegen zu dieser Tageszeit immer noch recht schnell über uns hinweg, ein ständiger Wechsel zwischen vereinzelten Sonnenstrahlen und dicken, dunklen Wolken. Die uns mittlerweile schon sehr gut bekannte Strecke über den Kesselwandferner bringen wir rekordverdächtig schnell hinter uns und nach dem ersten steileren Anstieg über die Nordwest-Flanke des Vorgipfels kommen uns zwei junge Bergsteiger aus dem Münchner Raum entgegen. Dass wir uns an dieser Stelle treffen, löst bei uns zunächst ein wenig Verwunderung aus, weil unser langes Gespräch am vorigen Abend eine eindeutig andere Tour der beiden erkennen ließ. Naja, ohne einen bösen Gedanken verschwenden zu wollen, schön ist es dann doch, als wir feststellen, dass ihre Spuren irgendwann auf dem schmalen Firngrat enden, ohne jedoch auf dem Hauptgipfel gewesen zu sein. Dieser besagte Firngrat ist erst eine Verbindung zwischen dem felsigen Vorgipfel und dem höchsten Punkt des Berges. Auch wir haben zunächst Probleme, das zu erkennen eingehüllt in dichte Wolken. Mühsam weiterstapfend hat es dann das letzte Stück auch noch in sich, da die felsigen Passagen mit einer dünnen Eisschicht überzogen sind und somit die Kletterei zu einer heiklen Unternehmung macht. Oben auf nicht ganz 3500 m stehen wir dann ganz alleine bei heftigem Wind und kaum ein paar Metern Sicht. Normalerweise hat man von diesem Punkt aus einen herrlichen Rundumblick über die Ötztaler Bergwelt, sofern das Wetter gnädig gestimmt ist... Mit dem letzten Fünkchen Hoffnung versuchen wir noch ein Loch für ein Gipfelfoto in den Wolken zu erhaschen - vergeblich! Auf dem Gipfel zumindest soll uns diese Freude verwehrt bleiben, anders ergeht es uns dann ein paar Minuten später als wir gerade dabei sind den wunderschönen Firngrat abermals zu überwinden. Plötzlich tut sich vor uns ein breites Band blauen Himmels auf, was der ganzen Szenerie eine ganz besondere Schönheit verleiht. Richtung Nordosten reicht der Blick sogar für einen kurzen Moment bis auf die Wild Spitze, unser Ziel für den nächsten Tag.

Am frühen Mittag erreichen wir das Brandenburger Haus zum nun wirklich letzten Mal, nehmen unser restliches Gepäck und machen uns über das Obere Guslar Joch hinab zur Vernagt Hütte (2755 m) auf. Der Abstieg, eine Querung über den Guslarferner zehrt noch einmal an den Nerven, da der Gletscher in diesem Bereich unglaublich zerklüftet und spaltendurchzogen ist. Unter größter Vorsicht gelangen wir schließlich auf schneefreien Untergrund, nehmen das Seil auf, erleichtern uns von unnötigem Ballast und trotten das letzte Stück zur Vernagt Hütte hinab.
Das eigentlich auf der Karte unspektakulär aussehende restliche Stück zur Breslauer Hütte (2840 m), unserem Lager für die kommende Nacht, zieht sich endlos in die Länge. Obwohl schön gelegen, weit oberhalb der Rofen Ache mit Blick auf die gegenüberliegenden Wände, schlängelt sich der Wanderweg in unzähligen Kehren ganz gemächlich in Richtung der Hütte, ohne diese dabei jemals aus den Augen zu verlieren. Allmählich merkt man auch die zunehmende Nähe zu Vent, bei immer stärkerem `Wanderverkehr von Tagestourlern`. Dieses Empfinden wird dann am Abend bei Erreichen der Hütte nur noch verstärkt, ein wildes Durcheinander von rüstigen Rentnern, Familien mit Kindern und Wild Spitz-Fanatikern. Es erwartet uns noch eine letzte Nacht für ein großes Ziel...!

















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