CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Gro▀venediger (3674m) und Rainer Horn (3560m)
Galerie  (06.03.2003, 07.03.2003)

* 06.03.2003

Gipfelroute Gro▀venediger: Südroute über Johannishütte und Defregger Haus, Ostgrat

Gipfelroute Rainer Horn: Zustieg wie bei Gro▀venediger, Aufstieg Nordostgrat - Abstieg Westgrat (Überschreitung)


Hinterbichl (1500 m) - Johannishütte (2121 m) - Defregger Haus (2962 m)

Es ist bereits hell, als wir uns voller Anspannung auf dem Weg Richtung Hinterbichl befinden, um unser Auto für die erste Gipfeltour des Jahres abzustellen. Auf einer Höhe von etwa 1500 Metern (etwas oberhalb von Hinterbichl) parken wir schlie▀lich neben einer Handvoll anderer Autos und satteln unsere schweren Rucksäcke, während wir befriedigt feststellen, dass der Wetterbericht nicht zuviel versprochen hat: Die nächsten Tage klar, wenig Wind und nicht allzu kalt. Beste Bedingungen also für unseren Plan einer Winterbesteigung des 4. höchsten Berges Österreichs.

Um 8 Uhr Morgens brechen wir schlie▀lich mit jeweils etwa 20Kg Gepäck auf und folgen vorerst einer gut begehbaren Forststra▀e in Richtung Johannishütte. Zunächst kommen wir im schattigen Wald bei angenehmen Temperaturen recht schnell voran, bis wir schlie▀lich bei der Baumgrenze (etwa 2000 m) das erste Mal die wärmenden Sonnenstrahlen auf unseren Rücken spüren. Man glaubt garnicht, wieviel Energie die Sonne bereits im März hat: Wir jedenfalls fangen schon bald an uns von allen überflüssigen Kleidungsstücken zu entledigen, schwitzen aber trotzdem mehr als so manches mal im Hochsommer (verkehrte Welt?). Mit jedem Meter den wir höher kommen wächst der noch gut tragende Schnee zu beachtlichen Höhen an, so dass wir schon bald den Blick ins braune Tal verlieren und uns in einer recht winterlichen, aber wunderschönen Landschaft wiederfinden! Wir erreichen schlie▀lich das Gumbachkreuz (1991 m) und überschreiten damit einen kleinen Hügel, hinter dem sich in weiter Ferne der Gro▀venediger in seiner vollen Pracht aufbaut (vom Tal aus ist er nicht zu sehen), so dass wir für einen kurzen Moment lang gebannt stehenbleiben und unser Ziel zum ersten Mal mit eigenen Augen betrachten.
Nach ungefähr 3 Stunden erreichen wir die noch verschlossene Johannishütte (2121 m) und sehen in einiger Entfernung noch 2 Skitourengeher Richtung Tal gleiten - die letzten auf der gesamten Tour.

Von nun an lassen wir die letzten Spuren unserer Vorgänger hinter uns zurück.. der weitere Aufstieg ist also absolut 'jungfräulich'. Der Schnee hat leider durch die Sonnenstrahlen seine tragende Konsistenz verloren, so dass wir nun zum ersten Mal zu unseren Schneeschuhen greifen, die sich recht schnell bewähren sollten.
Nicht nur die einzigartige Atmosphäre, völlig allein in dieser herrlichen und absolut stillen Landschaft zu stehen, sondern auch die mangelnde Akklimatisation nach einer Nacht in etwa 1000 m Höhe (was so ziemlich garnichts bringt :-) und das ungewohnte Gewicht an den Fü▀en und auf dem Rücken zwingen uns schlie▀lich, relativ häufig Verschnaufpausen einzulegen. Der Aufstieg wird so recht schnell zu einem viel anstrengenderen Unterfangen, als wir gedacht haben. Hinzu kommt noch, dass wir die Karte dümmlicher Weise etwas falsch im Hinterkopf haben ("Da kann man sich garnicht verlaufen."), weshalb wir kurz vor dem Erreichen des Defregger Hauses (2962 m) noch einmal 100 Höhenmeter ab- und wieder aufsteigen müssen, da wir einen Hügel 'zu früh' aufgestiegen sind (und damit auf dem falschen standen). Insgesamt krochen wir eine schier unendlich lange Zeit von der Johannishütte dem Defregger Haus entgegen, welches wir nach insgesamt 10 Stunden und 'etwas ausgepumpt' in der Dunkelheit um 18 Uhr erreichen.

Den Rest des Abends widmen wir uns der Aufgabe, unzählige Töpfe Schnee zu schmelzen und unseren völlig aufgebrauchten Wasserhaushalt wieder in Ordnung zu bringen. Zu später Stunde setzt schlie▀lich noch leichter Schneefall ein, was uns für den nächsten Tag natürlich etwas nachdenklich stimmt. Mit gemischten Gefühlen kriechen wir schlie▀lich in unsere Schlafsäcke und bereiten uns auf eine lange und kalte Nacht vor...












* 07.03.2003

Defregger Haus (2962 m) - Rainer Horn (3560 m) - Gro▀venediger (3674 m) - Hinterbichl (1500 m)

Um kurz nach 6 Uhr klingelt der Wecker und wir riskieren einen ersten vorsichtigen Blick in den relativ milden (mit -6░C aber dennoch recht frischen) Morgen. Um überhaupt nach draussen zu gelangen müssen wir allerdings erstmal die Eingangstür zum Winterraum freischaufeln (was garnicht so einfach ist, wenn man dies von INNEN machen muss). Zwar hat sich der Schneefall in Grenzen gehalten (vielleicht 10 cm), dafür hat uns ein recht strenger Wind die ganze Nacht den Eingangsbereich mit Triebschnee vollgeblasen. Nach Erledigung aller notdürftigen Pflichten starten wir schlie▀lich mit etwas Verspätung um 8 Uhr zum Gipfel. Vom guten Wetter des vorigen Tages ist nur noch mä▀ig etwas zu erkennen: Der frische Wind treibt kleinste Schneekristalle in jede Öffnung der Kleidung und wir kämpfen mit unserer eigenen morgendlichen 'Tapsigkeit'.

Der Vortag macht sich in den Gliedern bemerkbar und so kommen wir - wenn auch stetig - nur mit mä▀iger Geschwindigkeit voran. Anders als geplant wollen wir nicht direkt durch das Rainer Kees steigen, sondern wählen einen kleinen Umweg Richtung Scharte zwischen Rainer Horn und Schwarze Wand. Als wir schlie▀lich in über 3200 m über das Mullwitzkees immer höher steigen, nimmt der Wind immer weiter ab und auch die Wolken in höheren Lagen lösen sich langsam auf. Kurz bevor wir die Scharte in etwa 3500 m erreichen, sehen wir in etwa 25 km Entfernung düster den Gro▀glockner am Horizont auftauchen. Was für ein Anblick! Wir drehen uns um und werfen - wie auf einer Achse zwischen den beiden Gro▀en der Hohen Tauern - den Blick auf die gewaltige Ostflanke des Gro▀venedigers. Direkt vor dem Panorama legen wir dann unsere erste Pause ein, bevor wir uns durch teilweise hüfttiefen Pulverschnee auf das Rainer Horn (3560 m) kämpfen.
Um 11:45 Uhr blicken wir in absoluter Windstille vom höchsten Punkt auf eine fantastische Landschaft, ein kleiner Vorgeschmack auf den erlösenden Moment auf dem Gro▀venediger! Zügig machen wir uns wieder an den Abstieg (überschreiten das Rainer Horn) und steigen hinunter auf den oberen Keesboden, von dem es noch einmal fast 200 Höhenmeter auf den Gipfel des Gro▀venedigers sind.

Die mangelnde Höhenanpassung und die angegriffenen Körperreserven machen sich nun bei den letzten finalen Höhenmetern hinauf zum Gipfelgrat bemerkbar, so dass der Aufstieg über den steilen Gipfelhang durch den weichen, bis oberschenkeltiefen Schnee zu einer besonderen Schinderei wird, die erst im oberen Teil ein Ende findet, als die Glücksgefühle beim Anblick des wunderschönen Gipfelgrates die letzten Zweifel vergessen lassen. Der strenge Wind, der uns nun wieder seitlich entgegen kommt und die Rundumsicht auf all die 3000er in der näheren Umgebung, die bereits unter uns liegen, verstärken noch einmal das Gefühl der Ausgesetztheit, welches sich bei uns beiden einstellt. Die letzten Meter spuren wir schlie▀lich noch durch weichen Schnee, der kurz vor dem Gipfel dann in den berüchtigten scharfen, hartgepressten Firngrat übergeht und imposante Tiefblicke auf die Gletscher zu beiden Seiten zulässt...

Und schlie▀lich ist es geschafft! Um 14 Uhr stehen wir beide völlig allein am eingeschneiten Gipfelkreuz und halten uns die Hände.. was für eine Arbeit! Das Auge schweift Richtung Norden über ein Wolkenmeer auf etwa 3000 m und im Süden über einen Horizont voller winterlicher Gebirgszüge. Im Osten zeigt sich wartend der Gro▀glockner vor uns... Einfach atemberaubend!

Ungefähr 15 Minuten verbleiben wir an diesem Ort, bevor wir uns zufrieden wieder an den Abstieg machen. Wir wählen dieses mal allerdings den direkten Weg hinunter und durchqueren das Rainer Kees ohne nennenswerte Probleme, bis wir um etwa 17 Uhr wieder am Defregger Haus ankommen, wo wir unsere restlichen noch verbliebenen Sachen (...) zusammenpacken. Obwohl es für einen Abstieg in der Helligkeit eigentlich schon zu spät ist, verlassen wir die Hütte recht zügig Richtung Tal, da unsere Spiritusvorräte völlig aufgebraucht sind vom Vortag und wir damit keinen Schnee mehr schmelzen können. Zwar könnten wir noch einmal notdürftig biwakieren, wählen aber lieber den Abstieg in der Dunkelheit durch das bekannte und einfache Gelände.
Leider machen sich bei mir (Daniel) ziemlich bald ernste Knieprobleme im linken Bein bemerkbar, so dass jeder Schritt bei unvorsichtigem Vorwärtskommen schnell zur Qual wird. Unser Tempo verlangsamt sich dadurch erheblich, was den Weg hinunter zu einer sehr langen und quälenden Angelegenheit macht. Hinzu kommt au▀erdem, dass wir unsere Wasservorräte quasi auf dem Defregger Haus völlig aufgebraucht haben und das Durstgefühl ein ständiger Begleiter wird...

...irgendwann später (viel später..), nachdem die Sonne schon lange untergegangen ist und das einzige was man erkennen kann der kleine Lichtkegel der Kopflampe vor einem ist, vermischen sich dann all die emotionsgeladenen Gefühle zu einem hohlen vor-sich-hin-Trotten.. Meter für Meter den schier endlosen Abstiegsweg entlang. Fred sitzt schon eine Weile im Auto, als ich um 22 Uhr nach 14 Stunden Tour die letzten Schritte tue...
Zweifellos eine der intensivsten und eindrucksvollsten Touren, die wir bis dato gemacht haben.

























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