CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Großglockner (3798m)
Galerie  (11.03.2003, 12.03.2003)

* 11.03.2003

Südroute / Schneeschuhtour:
Lucknerhaus (1902 m) - Stüdlhütte (2802 m) - Erzherzog Johann Hütte (3451 m)

Als wir am frühen, kühlen Morgen mit dem Auto ins Kalser Tal einbiegen und zum ersten Mal an diesem Tag die Südwand des Großglockners sehen, macht sich zunächst ein Eindruck von gespannter Erwartung breit. Die rund 2600 Höhenmeter, die es von dieser Stelle bis auf den Gipfel sind, erscheinen einem endlos. Noch ein wenig benommen von der kurzen Nacht stellen wir das Auto auf dem Parkplatz am Lucknerhaus (19.. m) ab und machen uns gegen 8:00 Uhr auf den Weg. Die ersten Meter beginnen harmlos entlang eines kleinen Baches durch kleine noch bewaldete Abschnitte in Richtung Lucknerhütte (2241 m).

Das Wetter an diesem Dientag, dass noch die letzten Ausläufer des langanhaltenen Hochs in diesem Winter darstellt, ist recht schön, morgens schon erstaunlich mild, später sollten dann auch die letzten Wolkenbänder am Himmel verschwinden und die Sonne das Heft in die Hand nehmen. Unser Tempo ist daher ohne groß zu hetzen wesentlich schneller als noch am Großvenediger, obwohl eigentlich die Vorzeichen für diese Tour nicht ganz so positiv sind. Auf dem Abstieg vom Venediger bekam Daniel große, schmerzhafte Probleme mit seinem Knie, das er zwar drei Tage schonen konnte, aber von Heilung kann keine Rede sein. Zu allem Überfluss habe ich mir dann in der nächtlichen Dunkelheit dergleichen Tour meine Steigeisen so zerstört, dass ich sie behelfsmäßig mit einer Bandschlinge reparieren musste. Diese Faktoren gepaart mit einer vorhergesagten Wetterverschlechterung am nächsten Tag ließen den Erfolg am Glockner eigentlich in weite Ferne rücken.

Ungeachtet von Knie und Steigeisen kommen wir schnell über mehrere runde Geländestufen höher und erreichen mittags die Stüdlhütte (2802 m). Bei nun praller Sonne eine unglaublich schweißtreibende Sache auf den weiten, stetig ansteigenden Schneefeldern. Von der Stüdlhütte aus, übrigens einem Schiff unter den Hütten aufgrund der Größe, hat man einen guten Blick sowohl auf den Gipfel als auch hinüber nach Osten in Richtung Großvenediger. Gerne hätten wir einen Blick in die hochmoderne Hütte auf der Fanatscharte geworfen, aber natürlich ist auch sie im Winter fest verschlossen.
Dass wir an diesem Tag nicht die einzigen sind, die diesen Berg besteigen wollen, ist uns bereits im Aufstieg klar als mehrere Seilschaften und Tourengeher an uns vorbeiziehen. Kurze Augenblicke später mit freier Sicht auf den Gipfelbereich erschrecken wir dann mehr oder weniger als sich knapp 30 Bergsteiger vom Kleinglockner hinüber auf den Großen bewegen und wieder zurück. Stau selbst zu guten Tagen im März! - Wie das wohl im Sommer sein muss...? -

Unsere Route führt uns nach der kleinen Pause unterhalb des Salzkopfes entlang eines steilen Hanges fast bis zum unteren Ende des Ködnitzkees`, der großen Gletscherzunge, die man angeseilt am westlichen Rand bis fast unter die steile Südwand überquert um dann die steile Rampe in Richtung Erzherzog Johann Hütte aufzusteigen. Die Steilheit des Gletschers im unteren Teil ist unbedeutend, allerdings ist der Blick immer auf die rund 600 m hohe Südflanke des Berges gerichtet und je näher wir kommen um so größere Ausmaße nimmt das Ganze an. Nach der rund 42° steilen Passage in 3200 m Höhe gelangen wir an den Fuß des Felsgrates, der nach leichter Kletterei, teilweise durch Drahtseile gesichert, direkt hinauf zur Erzherzog Johann Hütte (3451 m) führt. Gegen 16:30 Uhr stehen wir zufrieden auf der Aussichtsterrasse der Hütte, genießen die Fernsicht, während drinnen im Winterraum der erste Schnee im Topf vor sich hin schmilzt. Wir genießen noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages und verkriechen uns nach einem unbeschreiblichen Sonnenuntergang in unser Nachtlager zum Essen.

















* 12.03.2003

Erzherzog Johann Hütte (3451 m) - Großglockner (3798 m) - Lucknerhaus (1902 m)

Nach einer kalten, äußerst ungemütlichen Nacht bei ca. -10° ist das Weckerklingeln morgens um 5 Uhr fast schon eine Erlösung. In totaler Finsternis stolpern wir nach draußen und stellen fest, dass kaum eine Wolke am Himmel sein muss, da uns unzählige Sterne entgegenfunkeln. Ohne Frühstück sind wir um 6 Uhr bereit für die letzten 400 Meter zum Gipfelkreuz. Als sich von Osten her langsam ein seltsamer Blauschimmer zu erkennen gibt, sind wir bereits am Fuß des Glocknerleitls angelangt. Mit der Minimalausstattung an Gepäck immer ein Auge auf den herrlichen Sonnenaufgang werfend, kämpfen wir uns häufig auf allen Vieren durch den steilen Kamin des Leitls. Teilweise tiefe Spuren lassen auf einen Ansturm vom Vortag schließen, doch zu dieser frühen Zeit befindet sich noch kein anderer in unseren Höhen.

Der Ausstieg des Glocknerleitls, schon jenseits der 3500 m - Marke, folgt dann der Linie Kleinglockner bis hin zum Großglockner. Die schmale, mit Eisenstangen abgesicherte Spur führt immer entlang des Grates und man hat hier an dieser Stelle schon atemberaubende Tiefblicke. Besonders `pulsbelebend` erleben wir eine Passage in unmittelbarer Nähe des Kleinglockners (3770 m): rechts die endlosen 1200 m hinab auf die Pasterze, links die 600 m hohe, steile Südwand und man selbst nur auf einer schmalen Spur, die nicht mal zwei Füße nebeneinander zulässt. Konzentriert näher wir uns allmählich der Schlüsselstelle, dem Übergang zwischen Kleinglockner und Großglockner, der Glocknerscharte. Vom kleineren der `Glocknerbrothers` ist der weitere Verlauf der Route bis auf den Hauptgipfel schon zu erkennen, da es wirklich nur ein Katzensprung ist, wäre da nicht die Scharte... Also seilen wir uns nacheinander über zu groß geratene Eisstufen zum Ausstieg der berühmten Pallavicinirinne ab um auf der gegenüberliegenden Seite die zwei Seillängen in 3er-Fels hinauf zu klettern.

Bei herrlichem Wetter nach rund dreieinhalb Stunden anspruchsvoller Tour erreichen wir überwältigt den höchsten Punkt Österreichs und gleichzeitig unseren persönlich höchsten Gipfel. Die Sonne strahlt, ein für 3798 m relativ leichter Wind weht und wir genießen in vollen Zügen den Moment und den bisher zurückgelegten Weg, der unter so schlechten Vorzeichen stand. Alles, das in diesem Moment mit dem menschlichen Auge zu sehen ist, liegt unter uns. Ein geniales, unbeschreibliches Gefühl!

Nach dem Versuch alles so genau wie möglich im Gedächtnis abzuspeichern, machen wir uns auf den Rückweg, obwohl das jedem von uns richtig schwer fällt, sich von hier zu entfernen. Auf dem Rückweg folgen wir unseren eigenen Aufstiegsspuren, die ersten Skitourengeher kommen uns auch schon entgegen und so wird das Ganze leider noch mal richtig kitzlig auf dem schmalen Kleinglockner. Denn anstatt eine Minute zu warten, hält es eine Dreierseilschaft für unbedingt nötig sich parallel zu uns abseilen zu müssen, was ein ziemliches Seilchaos in luftigen 3700 m nachsichzieht. Höhepunkt ist dann, dass fast einer der übermäßig gut ausgestatteten Bergsteiger beim Versuch am Standplatz sein Seil zu ordnen sein Pickel die Südwand herunterrutschen lässt.
Wir versuchen uns schnell wie möglich von den deutlich langsameren (Fastgipfel-) Kandidaten zu entfernen und nehmen auf der Erzherzog Johann Hütte erstmal unser verdientes Frühstück.

Schnell alles zusammengepackt fliegen wir förmlich mit allen Sachen im Rucksack über das Ködnitzkees zurück ins Tal und befinden uns rund dreieinhalb Stunden später gegen 15:30 Uhr wieder am Parkplatz, wo eine der schönsten Alpentouren zufrieden zu Ende geht.





















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