CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Dufourspitze (4634m)
Galerie  (08.09.2003)

* 08.09.2003

Gipfelroute: Aufstieg über Oberes Plattje, Monte Rosa Gletscher, Sattel und schließlich Westgrat

Monte Rosa Hütte (2795 m) - Vorgipfel Dufourspitze (4500 m) - Monte Rosa Hütte (2795 m)

Weckerklingeln um 2 Uhr nach einer kurzen und unruhigen Nacht. Orientierungslos und müde zugleich sitzen wir aufrecht in unseren Schlafsäcken und nehmen langsam aber bewusst wahr, welches Schauspiel sich draussen bietet. Schneefall und Gewitterblitze verheißen alles andere als gute Bedingungen, so dass wir nach etwa einer Stunde Beraten und Abwarten uns frustriert wieder in die Schlafsäcke verkriechen. Eine vertane Chance am höchsten Berg unserer Tour?

Das Weckerklingeln um 7 Uhr ist eher an einen Funken Hoffnung geklammert, als an durchdachte Tourenplanung. Der Blick nach draussen offenbart hier unten etwa 15cm Neuschnee, wie es oben aussieht, können wir nur ahnen. Trotz Sichtweiten um 50m wollen es Fred und ich wenigstens probieren, auch wenn wir unsere Chancen als eher gering einstufen. Umdrehen können wir schließlich immer noch!

Wir bewegen uns auf der Seitenmörane in Richtung Oberes Plattje. Durch eine verschneite Winterlandschaft 'in der Suppe' geht es, bis wir schließlich auf den Felsriegel stoßen, der Unteres vom Oberen Plattje trennt. Auf rutschigen Felsplatten suchen wir uns einen Weg nach oben, überstehen auch einen kurzen kritischen Moment, als Fred ein paar Meter über die heiklen Platten wegrutscht und unseren Versuch fast schon beendet.
Als wir jedoch kurz vor dem Gletscher stehen und uns zum anseilen fertig machen, die erste positive Wende: Rings um uns lichtet sich der Nebel und wir nehmen immer größer werdende Sichtfenster wahr, die den Blick auf eine verschneite Gebirgslandschaft freigeben. Was ein Panorama!

Durch den nun komplett ungespurten Gletscherbruch auf ca. 3400m müssen wir uns einen eigenen Weg suchen, wobei wir mit etwas Glück recht zügig hindurchkommen. Dafür steht im Anschluss ein anstrengendes Spuren durch nunmehr 30cm Neuschnee an, was uns beiden arg an die Kraftreserven geht.
In stundenlanger Arbeit spuren wir so, mit zunehmender Kurzatmigkeit, dem Vorgipfel entgegen. Die Steilrampe auf den Vorgipfel über unangenehmen Grund (Neuschneeauflage auf Blankeis) gehen wir in Zeitlupentempo seilfrei, bis wir schließlich über ein kurzes Gratstück auf 4500m am Vorgipfel stehen.

Die Uhr zeigt 15 Uhr und uns wird bewusst, dass der Hauptgipfel über eine weitere vereiste Flanke heute nicht mehr zu erreichen ist. Nicht nur weil wir vorher den Umkehrzeitpunkt auf 15 Uhr festgelegt haben, auch reichen die Kraftreserven nicht mehr aus, noch weitere 1-2 Stunden Richtung Gipfel zu klettern. Zu hart waren die vergangenen 5 Tage, die uns bleiern in den Gliedern stecken. 7 Stunden anstrengender Spurarbeit, um überhaupt bis hierher zu kommen, tun ihr übriges.

Wir schießen schnell ein paar Fotos und genießen nochmal die Rundumsicht auf diese fantastische Landschaft: Die Lyskamm, bei der uns vor wenigen Tagen die Überschreitung beider Hauptgipfel geglückt ist; Nordend, Dufourspitze.. so nah und doch so fern. Wir kehren ihnen den Rücken und machen uns auf den Rückweg.. den Weg nach Hause.
Allerdings wird es noch zweimal heikel: Nachdem ich am Gipfelhang ausrutsche und ein paar Meter - fast entspannt - mit Pickel gebremst nach unten gleite, bis mich Fred zur Vorsicht mahnt. Das andere Mal stapfe ich kurz vor dem Gletscherbruch mit einem Fuß in ein Loch durch eine Schneebrücke und falle allerdings mit dem Körper auf die andere Seite auf den Spaltenrand. Zurück bleibt ein schwarzes Loch, welches Einblicke in bodenlose Tiefen gibt.

Der restliche Abstieg ist durch wankendes Balancieren über Moränenschutt gekennzeichnet, bis wir ziemlich ausgepumpt gegen 18:30 Uhr wieder an der Hütte ankommen und uns ein letztes Mal auf 'leckere' Tütengerichte freuen.

Der letzte Tag erscheint dann ganz im Sinne des Abstiegs.. einfaches Gelände in strömenden Regen, wolkenverhangene Berge rings um uns herum. Die Saison scheint sich zum Ende zu neigen. Zeit, abzureisen!




















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