CAMP-BERLIN ist ein kleines Team, bestehend aus berg- und reisebegeisterten Freunden, die unterschiedlichste alpine und hochalpine Touren unternehmen. Neben dem Schwerpunkt auf die gesamten Alpen sind wir auch unregelmäßig an kleineren oder größeren Zielen unterwegs, wo wir ständig versuchen, neues kennenzulernen!

Tourenbilder





Wilder Freiger (3418m)
Galerie  (08.09.2002, 09.09.2002, 10.09.2002)

* 08.09.2002

Innsbruck - Nürnberger Hütte

Nach den vier Tagen Ruhe in der Tiroler Landeshauptstadt machen wir uns nochmal auf den Weg, um die letzte Woche zumindest teilweise in dünnerer Luft zu verbringen. Die letzten Tage haben sich aufgrund übermäßigem Nichts-tuns natürlich für eine ausführliche Routenplanung angeboten, so dass wir schon mit ziemlich konkreten Plänen am frühen Nachmittag im Stubaital ankommen.
Unser Vorhaben ist die Besteigung von drei recht markanten Gipfeln in den Stubaier Alpen, wobei dies alles in einer Tagestour (nach dem Aufstiegstag) geschehen soll: Überschreitung des Wilden Freiger (3418m), Überschreitung des Wilden Pfaff (3458m) sowie Besteigung des Zuckerhütls (3505m).

Die obligatorische Parkplatzsuche für die nächsten 3-4 Tage ist schnell erledigt (wir parken auf einem völlig leeren asphaltierten Parkplatz in Ranalt (1304m)) und so machen wir uns gegen 15 Uhr an den malerischen Aufstieg zur Nürnberger Hütte (2280m). Der Weg führt uns dabei bei recht gutem Wetter an zwei idyllischen Almenhütten vorbei, bis wir schließlich die letzten zivilisierten Pfade verlassen. Beim Aufstieg lassen wir uns allerdings viel Zeit, um unsere Kräfte für den nächsten Gipfeltag möglichst zu sparen. Der relative kurze Aufstieg zur Hütte (ca. 4 Stunden) sowie das gute Wetter lassen uns unser Tempo glücklicherweise auch völlig frei bestimmen, uns drängt also überhaupt keine Eile. Gegen 19 Uhr erreichen wir dann auch schon die Hütte und werfen noch kurz einen Blick auf die Aufstiegsroute für den nächsten Tag und begeben uns dann zum abendlichen 'Chillen' ;) in die Hütte. Der Wetterbericht, den wir in der Hütte erhalten, ist leider recht wenig aussagekräftig.. für den nächsten Tag wechselhaftes Wetter und abends Gewitterwahrscheinlichkeit.. was uns aus Erfahrung überhaupt nichts sagt und wir uns vermutlich nur auf unsere eigenen Wetterbeobachtungen verlassen können. Wir werden sehen ...






* 09.09.2002

Nürnberger Hütte - Wilder Freiger - Müller Hütte - Dresdner Hütte

Ich weiss nicht was uns genau weckt.. ob es nun das Klappern der Fenster ist oder unser Wecker, der pünktlich um 5 Uhr klingelt. Eins steht jedenfalls fest: Es ist gut stürmisch draussen! Der Blick ins Dunkel bringt wie immer relativ wenig und so entschließen wir uns erstmal, mit dem Frühstück zu starten und uns auf jeden Fall auf den Weg zu machen. Umdrehen können wir schließlich immer noch! Gegen 6 Uhr verlassen wir (mal wieder) als ersten die Hütte und machen uns an den anstrengenden Aufstieg, hinein in einen recht düsteren Morgen.. wenigstens regnet es nicht.
Je höher wir schließlich kommen, desto stärker wird auch der Wind. Natürlich kommen bei uns leichte Zweifel auf.. aber solang wir immer noch im Stehen gehen können, wollen wir weitermachen. In völliger Einsamkeit erreichen wir schließlich die ersten Gletscherfelder, was leider auch die Folge hat, dass wir in dieser Höhe schon wieder mitten in der 'Suppe' stehen und unsere Orientierung eher schlecht als recht ist. Da wir jedoch beide die Karte gut studiert haben, befinden wir uns schon bald beim finalen Gipfelanstieg über den angrenzenden Gletscher, der sich bis hinauf zum Gipfelgrat zwischen Signalgipfel (3392m) und Hauptgipfel des Wilden Freigers zieht. Leichte Orientierungsschwierigkeiten auf dem Kamm und der Sturm, der uns nun mit voller Wucht entgegenbläst (bisher waren wir vom Massiv geschützt, da uns der Süd-West Wind auf der östlichen Seite des Berges nur bedingt direkt getroffen hat), lassen uns eine Weile umherirren bis wir schließlich nach 4 1/2 Stunden Aufstieg den höchsten Punkt des Wilden Freiger erreichen. Durch die feuchte, kalte Luft, die direkt über den Gipfel peitscht bilden sich überall an unseren Klamotten und Ausrüstungsgegenständen sofort Eiskristalle, so daß wir uns erstmal auf der windabgewandten Seite des Gipfels eine kleine Aufwärm- und Esspause gönnen.

Wir entschließen uns, unsere Route fortzusetzen und steigen deshalb auf der anderen Seite wieder hinab, direkt hinunter zur Müllerhütte, wo wir unseren Weiterweg nochmal neu abwägen wollen. Direkt über den Gletscher erreichen wir relativ zügig die Hütte und können sogar beobachten, dass sich die Wolken ein wenig gelichtet haben.. was allerdings nichts an den windigen Verhältnissen ändert. Der Aufstieg zum Wilden Pfaff über den ausgesetzten Ost-Grat erscheint uns jedenfalls von hier aus - bei den Wetterverhältnissen - wie ein gewagtes Unterfangen. Trotzdem wollen wir unser Glück wenigstens einmal probieren und brechen nach kurzer Rast von der Müllerhütte Richtung Wilder Pfaff auf.
Weit kommen wir jedoch nicht. Der Sturm ist so stark, dass wir befürchten, wir könnten im oberen Gratteil einfach vom Wind weggeblasen werden, was uns direkt in die Nord-Ost Wand schleudern würde. Kein angenehmer Gedanke..! Mit wehmütigem Blick wenden wir uns schließlich von unserem geplanten Ziel ab.. aber was noch viel mehr schmerzt: Auch auf das Zuckerhütl müssen wir heute verzichten, da ein 'Umgehen' des Wilden Pfaffs mindestens 6 Stunden in Anspruch nehmen würde - zu lang für den heutigen Tag, nachdem wir bereits 7 Stunden unterwegs sind.. wir würden die nächste Hütte erst im Dunkeln erreichen. Unsere alternative Route ist nun den Ost-Grat zu überschreiten und über die Fernerstube hinunuter zur Dresdner Hütte abzusteigen. Wir sehen uns jedoch schon recht bald vor ein neues Problem gestellt: Die Überschreitung des Grates ist mit dem Abstieg durch eine im unteren Teil bis zu senkrechte Wand verbunden, weshalb wir uns zu einem heiklen Abseilmanöver im Sturm entschließen. Im unteren senkrechten Teil entgehen wir dann auch nur knapp einem Unglück, als es mir (Daniel) gelingt, einem herabfliegenden etwa fussballgroßen Felsbrocken auszuweichen, den Frederik in einem unaufmerksamen Moment losgetreten hat.
Der unspektakuläre Abstieg über den Gletscher bis hinunter zur Dresdner Hütte zieht sich dann noch endlos hin, bis wir am Abend nach etwa 12 1/2 Stunden ziemlich erschöpft und ausgepumpt endlich unser Ziel erreichen.














* 10.09.2002

Dresdner Hütte - Mutterbergalm

Der Frust über die entgangenen Gipfel steckt uns natürlich beiden schwer in den Knochen, was uns jedoch noch nicht aufgeben lässt. Wir wollen den folgenden Tag nicht ungenutzt lassen und uns ein zweites Mal an den beiden Gipfeln versuchen, allerdings machen wir unseren Entschluß vom Wetter abhängig, da uns beiden die Motivation (und vermutlich auch die Kraft) nach dem gestrigen Tag fehlt, ein weiteres Mal bei Nebel und Sturm den Gipfel zu erreichen.

Der morgentliche Blick bringt uns jedoch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Sichtweiten um 10m, Regen und wenig Wind lassen unsere Hoffnungen wie Seifenblasen zerplatzen. Nach kurzer Diskussion und dem Abwägen der Verhältnisse fällt uns der Entschluß zum Abstieg nicht sehr schwer. Natürlich etwas frustriert steigen wir schließlich durchs sommerliche, trostlose Skigebiet am Ende der Stubaier Alpen über die Mutterbergalm ab und wie zum Hohn die letzten 6km über eine asphaltierte Straße bis zum Parkplatz zurück.











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